Behandlung von Phobie- oder Angstpatienten
Es besteht kein Zweifel, dass die Angst der Patienten in Konflikt mit der zahnärztlichen Behandlung geraten kann. Statistiken haben gezeigt, dass ein großer Teil (etwa 43%) der Gesamtbevölkerung den regelmäßigen Zahnarztbesuch meidet, da ihre Angst sehr groß ist. Sie würden den Zahnarztbesuch solange hinausschieben, bis sie Probleme mit ihren Zähnen bekämen.
In den USA fand man 1969 heraus, dass der Zahnarztbesuch an vierter Stelle hinter Schlangen, Höhen und Stürmen steht. Einige Personen haben eine außerordentliche starke Furcht (PHOBIE) vor bestimmten Situationen, so dass sie ihr Auftreten um jeden Preis zu verhindern versuchen. Man hat 1971 herausgefunden, dass Phobiepatienten im Durchschnitt 17,3 Tage vor dem Zahnarztbesuch Zahnschmerzen hatten. Bei Nicht-Phobikern lag die Zahl bei 3 Tagen. Es ist interessant aufzuführen, welche Zahnbehandlungen mit der größten Angst in Verbindung stehen. Zu diesen zählen die Extraktion, gefolgt von der Injektion, Wurzelbehandlung, das Präparieren sowie der Zahnarzt selbst.
Es scheint, dass sich Phobiker häufig über einen langen Zeitraum damit beschäftigen, sich eine mögliche schmerzhafte Behandlung oder die Diagnose eines großen Behandlungsbedarfs auszumalen. Diese Katastrophengedanken können zu einer Hypersensibilität in Bezug auf Gefahrensignale beim Zahnarzt führen. Ein ängstlicher Patient verhält sich gegenüber jedem Anzeichen der Bedrohung sehr wachsam, wie z.B. dem Bohrergeräusch, dem Tragen des Mundschutzes oder Bemerkungen zwischen Mitgliedern der Praxis.
Zusätzlich kann sich Angst in Form von Ansteigen des Pulses, Mundtrockenheit und Freisetzung von Stresshormonen äußern.
Wie kann man Angst definieren?
Es liegt jenseits der Reichweite dieser Website, die psychoanalytische Sichtweise zu erläutern. Für Psychologen ist der Begriff "Angst" ein "vages unangenehmes Gefühl, das von der Vorahnung begleitet wird, etwas Unangenehmes werde passieren" (Kagan und Havamann, 1976).
Schmerzerwartung, Unsicherheit bei der zahnärztlichen Behandlung oder einer schlechten Erfahrung (Trauma) können Ursachen für Angst sein. Außerdem kann sie angeboren oder familiär bedingt sein. Kinder spiegeln möglicherweise die Angst ihrer Eltern wider.
Wie kann man Angst vermeiden?
Die sicherlich beste Methode stellt die Prävention dar. Da negative Erfahrungen zu Angst führen können, hat die Prophylaxe und damit die Verringerung der Notwendigkeit von Füllungen oder Extraktionen Priorität. Ausreichende Information der Eltern über Ernährung und Mundhygiene sowie regelmäßige und frühzeitige Zahnarztbesuche können traumatische Erfahrungen weitgehend vermeiden. Wie kann man die Angst lindern? Da die zahnärztliche Behandlung angstauslösend wirken kann, ist eine Vertrauensbasis entscheidend. Diese kann dadurch geschaffen werden, dass der Patient schrittweise an die Behandlung herangeführt wird und das Gefühl vermittelt bekommt, die Kontrolle zu haben und dem Zahnarzt nicht ausgeliefert zu sein. Ziel ist es, dem Patienten zu helfen mit seiner Angst umzugehen und die Erwartung an die zahnärztliche Behandlung zu verändern. Ängstliche Patienten schämen sich häufig ob ihrer Schwierigkeiten und machen sich Sorgen darüber, dass sie schlecht beurteilt werden.
In Extremfällen kann eine Intubationsnarkose durchgeführt werden. Aber diese Methode wird nicht zum Angstabbau beitragen. Eine alternative Methode ist die Lachgasanalgesie. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sie die Kooperation der Patienten um 90% verbessert, und es gibt keine Anzeichen für negative physiologische Auswirkungen.
Der Würgereiz kann stark vermindert werden. Außerdem war feststellbar, dass sich Patienten später auch ohne Lachgas problemlos behandeln ließen.
Die intravenöse Injektion von Diazepam stellt eine weitere Methode dar. Man hat 1983 (Hall und Edmondson) herausgefunden, dass diese Methode deutliche Langzeiteffekte auf Patientenangst haben kann.
Eine weitere Methode stellt die Hypnose dar. Es handelt sich hierbei um eine Transinduktion. Eine große Zahl der unangenehmen Gefühle und der Angst bei der zahnärztlichen Behandlung kann dadurch gelindert werden. Das Ziel der Hypnose ist, Patienten zu helfen, ein Gefühl des Wohlbefindens zu erreichen. Der Erfolg ist von der Motivation des Patienten und sein Vertrauen in den Therapeuten abhängig.



